Sein Bruder stellte sich mit dem Rücken an die Wand. Hände gefaltet, Mundwinkel in die Senkrechte, Cap tief ins Gesicht. Der Zug am Joint, tief einatmen. In eine Welt abdriften, die gleich darauf ihre Wirkung entfaltet. Halt. Tränen. Seine Blicke eiskalt.
»Wer bin ich?«, fragt er.
»Mein Bruder.«
»Reicht mir das?«
»Was willst du mehr?«
»Weißt du, wer mein Vater ist?«
»Kein Plan, sorry.«
»Es gab Zeiten, da wurden sie in die Schweiz abgeschoben. Für Wochen weg von den Freunden, der Straßengang, der Wahlfamilie.«
»Reich mir mal den Joint.«
»Du verdrängst.«
»Ja Kleiner, das solltest du auch.«
Sie gingen zu der Wiese, auf der alles begann. Die erste große Liebe, der erste verbotene Joint, Sex, ganz klar: RocknRoll. Görlitzer Platz.
»Heutzutage gibt es alles aus der Tube.«
»Außer gutes Gras.«
Sie lachen wie Kinder.
»Man sollte uns abschieben, getrennt voneinander.«
Sie haben genug über den Himmel gehört, genug Hölle gibt es nicht.
»Das Leben ist ein Pendeln zwischen Frauen, Sex und guten Drogen.«
»Du redest dir schon wieder was schön.«
Haze, Haze. Kostet die Welt. Zwischen 10 und 50 € am Tag. Früher waren sie auf Pep. Speedy Gonzales, ganz weit weg.
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Montag, September 08, 2014
Sonntag, September 07, 2014
Mein Freund, der Outlaw
Mein Freund, der Outlaw
Es gibt nur wenige Menschen, die man innerhalb kurzer Zeit zu schätzen lernt. Meist dauert es länger, da wird mir fast jeder recht geben. Outsider haben es schwerer als andere. Sogenannte »Bad Boys« werden nur in Scheinwelten anerkannt. Lernt man sie real kennen, lehrt einen diese Erfahrung meist nur, sie zu meiden. Niemand will um seiner virtuellen Erscheinung wegen anerkannt werden. Die meisten spielen mit der Virtualität. Ich denke:
»Jetzt werden sie die Köpfe schütteln und leise sagen, wie echt sie sind, auch wenn sie nur virtuell frisch und peppig auftreten.«
Für die Älteren
Für die Älteren
Ihr macht euch und anderen was vor, wenn ihr das wirklich denkt. Hinter jedem Nick verbirgt sich eine private Person. Die bist du. Wie du dich virtuell verkaufst, hängt von deiner Persönlichkeit, deinen Wünschen und Ängsten ab. Wenn ich sage, dass ich Facebooker bin, dann, weil ich es seit Jahren bin. Meine Generation geht ganz anders mit sozialen Netzwerken um als die ältere, die vor mir. Was für viele von euch als kleines Spiel mit eurer Persönlichkeit, euren Wünschen begann, ist heute das Leben in sozialen Netzwerken. Da wird sich verabredet, getroffen, ausgetauscht. Deshalb unterscheiden wir uns von euch. Wir haben weniger Ängste, nutzen Facebook, um in Kontakt zu bleiben, wie ihr es früher übers Telefon gemacht habt. Mein Freund, der Outlaw, hat sich mir heute auf eine Art genähert, die mich betroffen gemacht hat. Ich wünschte, das wäre nicht nötig gewesen. Denn nicht zuletzt funktioniert Gemieden-zu-Werden durch alte Traditionen, mit sozialen Netzwerken umzugehen. Hintenrum rein. Ich bin Facebooker und stolz darauf, direkt und vorne rein, direkt in die Fresse, meine Meinung kundzutun. So wurde ich erzogen. Und du?
Mein Freund, der Outlaw, ist inspiriert und betrifft keine reale Person.
Samstag, September 06, 2014
Autisten
Eine Frau mit Brille sitzt an einem Tisch auf einer Terrasse. Gegenüber am Obst- und Gemüsestand bezahlt ein Kunde seine Ware. Der Verkäufer trägt, bei 28 Grad im Schatten, eine Mütze. Eine Schwangere beobachtet eine ältere Frau, die ihren Hund an der Leine hinter sich herzieht. Gegenüber schreit ein Kind, ein anderes fährt mit seinem Roller vorbei. Eine Gruppe von Jugendlichen zocken auf dem Handy. Clash of Clans ist angesagt. Eine Verkäuferin schmückt das Schaufenster neu. Bald ist Frühling, die Farben sprechen dafür. Grün ist wieder Trend. Ein Flugzeug am Himmel übertönt den Zug, der gerade durch den Bahnhof rauscht. Ein alter Mann hält sich die Ohren zu. Zwei Minuten später trennt sich ein Paar wegen unüberbrückbaren Differenzen. Eine Rentnerin wurde ungewollt Zeugin, sie wollte nur zum Geldautomaten. Zwei Bankräuber stürzen aus der Sparkasse. Die Frau mit Brille bezahlt ihren Kaffee. Als sie sich erhebt, wird sie umgerannt. Die Hundebesitzerin lässt ihre Dogge von der Leine und schreit:
»Fass Pluto.«
Was diese Personen am Abend erzählen, ist:
»Ich wurde heute umgerannt.«
»600 € Tageseinnahme.«
»Ich finde Hunde gehören nicht in die Großstadt.«
»Jonas war heute wieder schlimm.«
»Ich kann mit einer Hand fahren, Mami.«
»Wir haben heute den Highscore geknackt.«
»Die Welt wird immer lauter.«
»Ich vermisse meine Frau.«
»Ich bin so froh, dass wir uns ausgesprochen haben.«
»Ehen halten keine Krisen mehr aus.«
»Pluto hat heute zwei Bankräuber gestellt.«
Während die Nachrichten auf Stumm geschaltet sind, beobachte ich den Halbmond und wünsche allen Menschen eine gute Nacht.
Dienstag, Juni 17, 2014
Echte Freunde oder wie man lernt, die Spreu vom Weizen zu trennen
Ich lernte meine Freundin letztes Jahr kennen. Die erste, nach langer Zeit, die es mit mir aushält. Meine Freunde sagten: "Das ist doch 'ne Bitch." Ich holte meinen großen Notizblock hervor und strich einen meiner Jungs von der FL. Die Gerüchte hielten sich. Wer kennt es nicht, dieses Lied:
10 nackte Negerlein ...
Darf man das noch singen oder singt man inzwischen:
10 nackte Schwarze?
Am Ende waren's null und eine wahre Liebe.
10 nackte Negerlein ...
Darf man das noch singen oder singt man inzwischen:
10 nackte Schwarze?
Am Ende waren's null und eine wahre Liebe.
Montag, Mai 12, 2014
Irgendein Buch
"Komm" sagte ich zu meinem Bruder, "lass uns irgendein Buch schreiben."
"Ok, worum soll es gehen?"
"Über irgendwas", zuckte ich die Schultern.
"Du willst irgendein Buch über irgendwas schreiben?"
"Ja."
"Und wo?"
"Irgendwo."
"Wie wär's mit dem Baum hinter Mutters Haus?"
"Und wer klettert hoch?"
"Immer der, der fragt."
"Ist ein bisschen windig, aber egal."
5 Minuten später.
"So, bin oben und sitze recht gut."
"Hast du nicht was vergessen?"
"Wasn?"
"Das Notebook?", schwenkte mein Bruder das Teil in der Hand.
"Werf' hoch."
"Und wenn du es nicht fängst?"
"Schmeiß schon, ich fange das, 100%."
Platsch!
"Ups."
"Ja ups", schüttelte mein Bruder den Kopf.
"Ich habe den Fischteich nicht bedacht."
"Und jetzt?"
"Schreiben wir kein Buch."
"Hatten wir doch eh nicht vor."
"Wie?"
"Wir wollten irgendein Buch schreiben, nicht kein Buch."
"Hast recht. Ich komm mal wieder runter. Holst du die Angel?"
"Wieso ich?"
"Ich weiß nicht wo sie ist."
"Ist das jetzt ein arges Umweltvergehen?"
"Frag den Fisch."
"Geht nicht, der liegt unter dem Book."
"Wäre das nicht eine super Idee?"
"Idee?"
"Wir schreiben ein Buch über einen toten Fisch."
"Mit Muddis Notebook?"
"Jau, aber nicht auf einem Baum."
"Die Kirchturmspitze ist noch im Angebot."
"Ey Alter, so schwul bin ich nun auch wieder nicht."
"Ok, worum soll es gehen?"
"Über irgendwas", zuckte ich die Schultern.
"Du willst irgendein Buch über irgendwas schreiben?"
"Ja."
"Und wo?"
"Irgendwo."
"Wie wär's mit dem Baum hinter Mutters Haus?"
"Und wer klettert hoch?"
"Immer der, der fragt."
"Ist ein bisschen windig, aber egal."
5 Minuten später.
"So, bin oben und sitze recht gut."
"Hast du nicht was vergessen?"
"Wasn?"
"Das Notebook?", schwenkte mein Bruder das Teil in der Hand.
"Werf' hoch."
"Und wenn du es nicht fängst?"
"Schmeiß schon, ich fange das, 100%."
Platsch!
"Ups."
"Ja ups", schüttelte mein Bruder den Kopf.
"Ich habe den Fischteich nicht bedacht."
"Und jetzt?"
"Schreiben wir kein Buch."
"Hatten wir doch eh nicht vor."
"Wie?"
"Wir wollten irgendein Buch schreiben, nicht kein Buch."
"Hast recht. Ich komm mal wieder runter. Holst du die Angel?"
"Wieso ich?"
"Ich weiß nicht wo sie ist."
"Ist das jetzt ein arges Umweltvergehen?"
"Frag den Fisch."
"Geht nicht, der liegt unter dem Book."
"Wäre das nicht eine super Idee?"
"Idee?"
"Wir schreiben ein Buch über einen toten Fisch."
"Mit Muddis Notebook?"
"Jau, aber nicht auf einem Baum."
"Die Kirchturmspitze ist noch im Angebot."
"Ey Alter, so schwul bin ich nun auch wieder nicht."
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